Vision Zero: von den Nachbarn lernen

(Originaltext vom Verkehrsclub Deutschland VCD)

2004 wurden fast 6.000 Menschen auf deutschen Straßen getötet. Rund 440.000 wurden im Verkehr verletzt, etwa ein Fünftel davon schwer. Der VCD will diesen hohen Blutzoll der Auto-Mobilität nicht länger hinnehmen. Deshalb engagieren wir uns für einen neuen Ansatz in der Verkehrssicherheitsarbeit in Deutschland: Vision Zero.

Der Ansatz Vision Zero stammt ursprünglich aus der Arbeitssicherheit und wurde vor mehr als 100 Jahren in der chemischen Industrie eingeführt: Kein Arbeiter sollte bei seiner Tätigkeit dem Risiko ausgesetzt werden, getötet oder schwer verletzt zu werden. Dieses Konzept übertrugen Mitte der 90er Jahre zuerst die Schweden auf den Straßenverkehr. Hier entwickelten Claes Tingvall und seine Kollegen von der schwedischen Straßenverkehrsbehörde das revolutionäre Programm für mehr Verkehrssicherheit auf der Straße mit dem langfristigen Ziel, die Zahl der im Verkehr Getöteten und schwer Verletzten auf null zu senken.

Zwei entscheidende Grundbedingungen zeichnen Vision Zero aus:

Alle für das System Verkehr Verantwortlichen müssen einbezogen werden und ihre Verantwortung aktiv wahrnehmen - von der Verkehrsplanerin und dem Straßenbauer über die Polizistin und den Fahrzeugbauer bis hin zu Gesetzgeber und Verkehrserzieherin.
Ein Grundsatz muss von allen anerkannt und an oberste Stelle gerückt werden: Das menschliche Leben und dessen Unversehrtheit ist das höchste Gut und nicht verhandelbar. In der Folge bedeutet das, dass der Verkehr dem Menschen mit all seinen Fehlern angepasst werden muss und nicht länger der Mensch dem Verkehr angepasst werden soll.
In der Umsetzung erfordert Vision Zero eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen in vier Handlungsfeldern, die alle auf das Ziel ausgerichtet sind, die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten auf ein Minimum zu reduzieren.

  • Straße: schon bei Planung und Ausgestaltung von Fahrbahnen, Geh- und Radwegen wird ein Maximum an Sicherheit für alle VerkehrsteilnehmerInnen erreicht.
  • Fahrzeug: Konstruktion und Betrieb von Pkw und Lkw helfen, Zusammenstöße zu vermeiden und im Falle eines Unfalls die Folgen für Insassen sowie Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen zu reduzieren.
  • Gesetzgebung: Recht und Gesetz werden so gestaltet, dass sie die Sicherheit aller VerkehrsteilnehmerInnen optimal verbinden. Maßnahmen wie 0,0 Promille und Tempolimits gehören ebenso selbstverständlich dazu wie eine angemessene Bestrafung von gefährlichen Verkehrsdelikten.
  • Mensch: Mobilitätserziehung und Fahrausbildung orientieren sich am Ziel einer nachhaltigen, gleichberechtigten und rücksichtsvollen Verkehrsgestaltung. Wie in anderen Bereichen wird auch im Verkehr lebenslanges Lernen zum Leitbild.

Während in Deutschland Verkehrssicherheit immer noch überwiegend aus der Windschutzscheibenperspektive betrachtet wird, haben andere Länder in Europa Vision Zero bereits zum politischen Programm gemacht. Neben Vorreiter Schweden sind auch Groß Britannien, die Niederlande, Österreich und die Schweiz deutlich weiter als Deutschland. In all diesen Ländern gibt es konkrete Vereinbarungen und Programme auf dem Weg zu Null Verkehrstoten und Schwerverletzten. Überall wurden konkrete Reduktionsziele bei den Opferzahlen festgelegt.

Der VCD will, dass Vision Zero auch in Deutschland Wirklichkeit wird. Deshalb haben wir einen Masterplan Vision Zero erarbeitet und bringen das Konzept in Öffentlichkeit und Politik voran.

Folgende weiterführende Links sind relevant:
Kurzfassung (pdf, 741 kB)   VCD Masterplan Vision Zero
Link zur Webseite   VCD Vision Zero

  Das folgende Bild kann man ausdrucken und dann die Daten anfordern:
Vision Zero